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Recipe - what I can do

Der gläserne Infotopf – Informations-Asymmetrien auflösen

Ingredients

* 1 großes Netz Vertrauen — die Basis, damit Wissen nicht als Machtmittel gehortet wird

* Radikale Transparenz — alle entscheidungsrelevanten Informationen kommen auf den Tisch

* 1 zentraler Wissensspeicher — ein Wiki, ein Tool oder ein digitales Whiteboard, das für alle zugänglich ist: vom Azubi bis zur Vorständin

* 1 Bund aktive Kommunikation — nicht warten, bis gefragt wird; Informationen fließen lassen, bevor die Gerüchteküche brodelt

* Eine Prise Fehlerkultur — Misserfolge transparent machen, damit die ganze Organisation daraus lernt

* Etwas Mut zur Offenheit — hinterfragen, welche Informationen wirklich „geheim“ sein müssen


Manchmal gleicht die Informationsverteilung in Organisationen eher einem exklusiven 5-Gänge-Menü: Nur wer am „Cheftisch“ sitzt, weiß, was serviert wird. Der Rest bekommt Reste — oder Gerüchte.

Informations-Asymmetrie bedeutet: Wissen ist ungleich verteilt. Das führt zu Unsicherheit, Fehlentscheidungen und dem lähmenden Gefühl: „Die da oben wissen mehr als wir.“

Was wäre, wenn Informationen in Ihrer Organisation für alle frei verfügbar wären? Nicht Wissen ist Macht — das Teilen von Wissen ist Fortschritt.


👩‍🍳 Preparation:

1. Den „Wissens-Deckel“ lüften

Fragen Sie sich konsequent: Welche Informationen müssen wirklich geheim bleiben? Oft ist Verschlossenheit keine strategische Entscheidung — sondern Gewohnheit. Wer versteht, warum Entscheidungen getroffen werden, kocht mit mehr Leidenschaft mit.

  • – Strategische Zahlen und Ziele regelmäßig und aktiv ins Team kommunizieren
  • – Entscheidungen begründen — nicht nur verkünden

Geheimniskrämerei ist der größte Feind der Eigenverantwortung. Wer informiert ist, kann handeln.

2. Die „Holschuld“ in eine „Bringschuld“ verwandeln

Etablieren Sie Formate, die Wissen aktiv verteilen — bevor Fragen entstehen.

  • – Wöchentliche oder monatliche interne News-Formate einführen (kurz, klar, für alle)
  • – Open-Door-Meetings oder Town Halls, in denen Führungskräfte Fragen wirklich beantworten
  • – Projektentscheidungen schriftlich dokumentieren — nicht nur mündlich weitergeben

3. Das digitale Buffet anrichten

Ein Projektstatus, der nur im Kopf einer Führungskraft existiert, ist eine verbrannte Zutat. Wissen gehört dorthin, wo alle jederzeit nachschlagen können.

  • – Zentrales Wiki oder Wissensmanagement-Tool einführen (z. B. Notion, Confluence, Sharepoint)
  • – Fortschritte und Rückschläge dokumentieren — nicht nur Erfolge
  • – Klare Strukturen, damit das Buffet nicht zum unübersichtlichen Chaos wird: Wer pflegt was? Wer ist verantwortlich für welche Inhalte?

4. Fehler als Würze zulassen

Transparenz endet nicht bei Erfolgen. Wenn Informationen über Misserfolge geteilt werden, lernt die gesamte Organisation — und der Druck, alles perfekt erscheinen zu lassen, nimmt ab.

  • – Retrospektiven und Lessons-Learned-Formate einführen
  • – Führungskräfte, die eigene Fehler offen ansprechen, als Vorbilder sichtbar machen
  • – Fehler-Sharing von Sanktionen entkoppeln: Was schief lief, ohne Schuldzuweisung besprechen

5. Informations-Gerechtigkeit aktiv herstellen

Nicht alle Menschen fragen gleich laut. Introvertierte, neue Kolleg:innen oder Menschen ohne Netzwerk-Zugang fallen bei informellen Informationskanälen oft durchs Raster.

  • – Prüfen: Wer bekommt welche Informationen — und warum?
  • – Informellen Flurfunk durch strukturierte Kanäle ergänzen, nicht ersetzen
  • – Neue Mitarbeitende explizit in Wissensstrukturen einführen

🌱 Würze: Sprache & Haltung

Ein guter Info-Fluss ist keine Technik — es ist eine Haltung.

  • – „Need to know“ durch „good to know“ ersetzen, wo immer möglich
  • – Wissen teilen, als Stärke rahmen
  • – Regelmäßig fragen: Welche Informationen fehlen unseren Teams gerade?

🍽️ Wirkung

Ein Unternehmen, in dem alle auf dem gleichen Wissensstand sind:

  • – bewegt sich schneller — weil weniger Energie in Informationsbeschaffung fließt
  • – trifft bessere Entscheidungen — weil mehr Perspektiven und Fakten einbezogen sind
  • – stärkt das WIR-Gefühl — weil Einbezogenheit Zugehörigkeit schafft
  • – reduziert politisches Taktieren — weil Wissen kein Machtmittel mehr ist
  • – wird resilient gegenüber dem Ausfall einzelner Wissensträger:innen

Wenn jeder weiß, was im Topf ist, kann auch jeder beim Abschmecken helfen. Das Ergebnis ist kollektive Intelligenz — krisenfest, agil und menschlich.


🥄 Serviervorschlag

Kombinieren Sie diesen gläsernen Infotopf mit einer ordentlichen Portion Feedback-Kultur — und servieren Sie ihn regelmäßig, nicht nur in Krisenzeiten. Transparenz, die nur bei schlechten Nachrichten auftaucht, wirkt wie ein Deckel, der erst bei Überdruck gelüftet wird.


🌍 Dieses Rezept zahlt ein auf:

  • SDG 8 — Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  • SDG 10 — Weniger Ungleichheiten
  • SDG 16 — Starke Institutionen und gerechte Entscheidungsstrukturen


Have fun cooking!

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This recipe is from
WIR wie WIRtschaft – Kerstin Seeger


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